Unsere Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, die Stiftertradition Leipzigs wieder lebendig werden zu lassen und in öffentlichen Veranstaltungen ein Brücke zwischen Tradition und Gegenwart zu schlagen. Dafür wurde die so genannte „Blaue Reihe“ konzipiert, die maßgeblich von Kulturwissenschaftler und Vorstandsmitglied Dr. Michael Hofmann organisiert und moderiert wird.
Die Veranstaltungen fanden jeweils in der Aula der Alten Nikolaischule statt.
Dankenswert waren die Unterstützung der Kulturstiftung Leipzig sowie die musikalischeEinstimmung des Laetitia-Quartetts.
Seit 2010 wird die Beschäftigung mit der Stiftungsgeschichte in einer neuen Form bearbeitet: Es entsteht das Konzept zu einem Buch der Leipziger Stifter. Dieses Konzept sieht die Herausgabe zweier Bände vor. Band 1 umfasst die Anfänge der Stiftergeschichte im Mittelalter bis 1914. Band 1 soll sich der Neuzeit widmen. Unser Ziel ist, den ersten Band bis zum 10jährigen Jubiläum unserer Gründung im Jahre 2013 fertigzustellen.
Wir suchen dafür historisch bewanderte und interessierte Mitstreiter, die sich als Autoren mit Porträts zu einzelnen Stiftern beteiligen könnten.
Der königlich sächsische Kommerzienrat Carl Ernst Mey war Unternehmer in Paris und Leipzig. Im Jahr 1867 erwarb er in Paris ein US-amerikanisches Patent für Papierkragen und Papiermanschetten und gründete eine eigene Firma.
Im Jahr 1869 verlegte Mey die Firma von Paris in die Gemeinde Plagwitz westlich von Leipzig, wo sie bis zur Verstaatlichung Mitte des 20. Jahrhunderts produzierte. Anschließend wurde sie nach München verlegt.
Als Mitglied des Plagwitzer Gemeinderates unterstützte Mey den Bau der ersten Plagwitzer Kirche), der Heilandskirche.
Ernst Mey und seine Frau Emma, geb. Wrankmore hatten fünf Töchter und zwei Söhne.
Mit der Herausgabe der ersten illustrierten Waren-Kataloge im Jahr 1886 gilt Mey als Begründer des deutschen Versandgeschäftes. Außerdem gründete er Niederlassungen in Leipzig, Berlin, Hamburg, London und Zürich.
1903 starb Ernst Mey im Alter von 59 Jahren in Leipzig. Er wurde auf dem Friedhof Plagwitz begraben. Sein großartiges, sehenswertes Grabmal schuf der Leipziger Bildhauer Prof. Adolf Lehnert (1862-1948).
Am 3. Juni 1903 übergaben seine Witwe und seine Kinder dem Armenamt der Stadt Leipzig ein Kapital in Höhe von 20.000 Goldmark zu einer Ernst-Mey-Stiftung. Deren Zinsen sind zur Hälfte an Arme in Leipzig-Plagwitz und zur anderen Hälfte an Arme im übrigen Leipzig zu verteilen.
Veranstaltung am 24. November 2009
Wilhelm Theodor Seyfferth war ein Leipziger Bankier und Unternehmer und einer der Pioniere der deutschen Eisenbahn.
Sein Vater war der aus Eilenburg stammende Wilhelm Gotthelf Ernst Seyfferth, Besitzer der Privatbank „Vetter & Co.“. Nach dessen Tod 1832 übernahm er die Geschäfte und wurde zu einem der Gründer der Leipziger Bank. Er gehörte zu den Initiatoren der Leipzig-Dresdner Eisenbahn, die 1839 als erste deutsche Ferneisenbahnstecke eröffnet wurde. Bis zum Verkauf der Eisenbahngesellschaft an den Sächsischen Staat im Jahr 1876 stand er ihr als Vorsitzender vor. Da das Konzept dieser privat finanzierten und betriebenen Eisenbahn erfolgreich war, engagierte er sich zudem 1841 bei der Gründung der Sächsisch-Bayrischen Eisenbahn, die zunächst von Leipzig nach Hof verlief.
Den Leipzigern ist er vor allem als Stifter des Johannaparks bekannt. Er widmete ihn seiner Tochter Johanna Natalie Schulz, die 1858 nur 21-jährig unter tragischen Umständen gestorben war.
Wilhelm Theodor Seyfferth war später auch Stadtrat und Stadtverordneter der Stadt Leipzig und erhielt 1878 die Ehrenbürgerwürde.
Franz Dominic Grassi war ein Leipziger Kaufmann italienischer Abstammung, der durch sein umfangreiches Erbe der Stadt die Errichtung zahlreicher Baudenkmäler ermöglichte.
Grassi stammte aus einer aus Mittelitalien nach Leipzig eingewanderten Kaufmannsfamilie. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung und zahlreichen Auslandsreisen gründete er in Leipzig eine eigene Handelsfirma für russische Produkte, Indigo und Südfrüchte. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1847 betrieb er vorwiegend Spekulations- und Wechselgeschäfte und nach dem Tod seiner Mutter 1854 zog er sich ganz aus dem aktiven Kaufmannsleben zurück.
Grassi blieb zeitlebens Junggeselle und galt als Leipziger Original. Er war Theater- und Pferdeliebhaber und unterstützte Leipziger Bürger, die in Notsituationen geraten waren. Im Leipziger Volksmund hieß Grassi auch „Der Holznutscher“, da er die Angewohnheit hatte, auf einem Zahnstocher zu kauen.
Obwohl Grassi in seinem Testament auch entfernte Verwandte, Patenkinder und Dienstboten bedachte, hinterließ er der Stadt ein Vermögen von 2,327 Millionen Mark. Von diesem Vermögen wurden zahlreiche Bauvorhaben, Parkanlagen und Denkmäler unterstützt, von denen einige im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden (Neues Gewandhaus, Museum am Augustusplatz). Von den heute noch erhaltenen Objekten ist das nach ihm benannte Grassimuseum am Johannisplatz, das „Alte Grassimuseum“ (heute Leipziger Stadtbibliothek) und der Mendebrunnen zu erwähnen.
Grassi ist auf dem Alten Johannisfriedhof beerdigt.
Der geheime Kommerzienrat Dr. h.c. Henri Hinrichsen war Verleger und Stifter in Leipzig. Er wurde 1868 als Sohn des Fabrikanten Robert Hinrichsen (1835-1917) und dessen Gattin Betty geborene Abraham (1840-1919) in Hamburg geboren. In Leipzig, Basel, Brüssel und London erlernte er den Beruf des Musikalienhändlers und Verlegers.
Seit 1881 war Henri Hinrichsen im Musikverlag C. F. Peters, der seinem Onkel Dr. Max Abraham gehörte, angestellt und wurde 1894 Teilhaber. 1898 heiratete er Martha Bendix (1879-1941). Sie hatten sieben Kinder (zwei Töchter, fünf Söhne).
Im Jahr 1911 stiftete Henri Hinrichsen, der in enger Verbindung zur Pädagogin Henriette Goldschmidt stand, die Hochschule für Frauen, die erste dieser Art in Deutschland (später Henriette-Goldschmidt-Schule).
1926 stiftete Hinrichsen 200.000 Mark für den Ankauf von Musikinstrumenten und begründete damit das heutige Musikinstrumentenmuseum in Leipzig.
1929 ernannte die Philosophische Fakultät der Universität Leipzig Henri Hinrichsen zum Ehrendoktor.
Im Jahr 1939 wurde Henri Hinrichsen enteignet. 1940 emigrierte er nach Belgien. In Brüssel wurde er verhaftet, nach Auschwitz deportiert und dort am 17.09.1942 ermordet. Im Jahr 2001 wurde eine Straße im Waldstraßenviertel nach Dr. Henri Hinrichsen benannt.
Als Tochter des Freiberger Bürgermeisters Stefan Alnpeck gehörte Apollonia von Wiedebach schon seit ihrer Geburt zu den angesehenen Familien Sachsens.
Sie heiratete den Leipziger Ratsherrn Jacob von Blasbalg, den Begründer der Finanzkasse des Herzogtums Sachsen. Blasbalg übertrug ihr 1487 das Rittergut Lößnig bei Leipzig und das kürzlich wieder neu errichtete «Haus Heuwaage», ein ehemaliges städtisches Vorwerk.
Nach dem Tode Blasbalgs im Jahre 1490 betraute der Landesherr die verwitwete, allerdings erst zwanzigjährige Apollonia mit der Rechnungsführung des Herzogtums. Damit war sie die erste Frau in Sachsen, die eine solche Staatsfunktion ausüben durfte.
1491 heiratete sie den herzoglichen Amtmann und Rentmeister Georg von Wiedebach, einen der vermögendsten Männer Sachsens.
Sie verfolgte den Auftritt Luthers zur «Leipziger Disputation» 1519 und förderte die Verbreitung seiner Lehre in Leipzig nach Kräften.
Nach dem Tode des Georg von Wiedebach fiel das gesamte Vermögen an Apollonia, die es für wohltätige Zwecke in über zwanzig weltliche und kirchliche Leipziger Stiftungen einbrachte. Sie starb am 21. Januar 1526 in Leipzig und wurde neben ihrem Mann in der Thomaskirche beerdigt. Im Gedenken an die «Schöpferin vieler frommer Stiftungen» wurden 1895 die heutige Wiedebachstraße und der Wiedebachplatz sowie 2007 die ehemalige Herder-Schule nach ihr benannt.
Die Stiftung „Bürger für Leipzig“ ein, auf den Spuren der Geschichte des großbürgerlichen Stifters Maximilian Speck von Sternburg und seiner Familie zu wandeln. Mit dem Ururenkel Maximilians, Herrn Wolf-Dietrich Speck von Sternburg und der Leiterin des Leipziger Kulturamtes, Frau Susanne Kucharski-Huniat, gingen wir in lockerer Gesprächsatmosphäre den Spuren des Wirkens der Familie Sternburg in Leipzigs Vergangenheit und Gegenwart nach.
Maximilian Speck erblickt als Gastwirtssohn 1776 in Gröba bei Riesa das Licht der Welt. Mit 20 Jahren tritt er in die Bayrische Wollhandlung zu Leipzig und wird schnell zum Teilhaber. Während der Napoleonischen Kriege führt er seine Firma zu großem wirtschaftlichen Erfolg. Als Großkaufmann widmet er sich der Landwirtschaft und Viehzucht, gründet Musterwirtschaften. Er hilft auf Einladung von Zar Alexander bei der wirtschaftlichen Erschließung Russlands. Auch der Bayrische König profitierte vom unternehmerischen Geist Specks. Für seine Verdienste um die Bayrische Landwirtschaft wird er in den erblichen Freiherrenstand eines Barons von Sternburg erhoben.
In zahlreichen Reisen durch ganz Europa entwickelte er seine künstlerischen und philosophischen Neigungen, besucht bedeutende Kunstsammlungen bringt selbst eine Kunstsammlung zusammen, die es mit den fürstlichen Repräsentationen durchaus aufnehmen kann. Die Stadt Leipzig bedachte er mit großzügigen Stiftungen. Nach der Wende kam der Ururenkel Maximilians Wolf Dietrich Speck von Sternburg nach Lützschena und Leipzig zurück und gründete 1996 die Maximilian Speck von Sternburg-Stiftung. Die Gemäldesammlung ist heute im Bildermuseum zu besichtigen.
Herrmann Julius Meyer wurde als Sohn des Verlagsbuchhändlers Joseph Meyer 1826 in Gotha geboren. 1856 gründete er in New York eine Zweigniederlassung des väterlichen „Bibliographischen Institutes“ und übernahm nach dem Tode seines Vaters den Verlag. 1874 verlegte er den Stammsitz des Bibliographischen Institutes nach Leipzig und zog sich 1884 aus dem Verlag zurück.
Seine Söhne Arndt und Hans Meyer übernahmen das Institut. Herrmann Julius Meyer aber gründete 1888 in Leipzig den Verein zur Erbauung billiger Wohnungen. Den Verein wandelte er 1900 in eine Stiftung zur Erbauung billiger Wohnungen um.
Die Stiftung errichtete mit dem Architekten und Bauunternehmer Max Pommer bis 1914 vier Wohnkolonien mit insgesamt 2.700 Wohnungen in den Leipziger Stadtteilen Lindenau, Eutritzsch und Kleinzschocher. Die Stiftung „Meyersche Häuser“ überlebte verschiedene politische Systeme und zählt heute zu den eindrucksvollsten Zeugen bürgerlichen Engagements zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der Stadt Leipzig.
Viele Leipziger kennen das so genannte Schletterhaus in der Petersstraße. Die Firma Schletter gehört zu den typischen Leipziger Handelshäusern, deren kunst- und kulturinteressierte Inhaber das bürgerliche Leben Leipzigs im 19. Jahrhundert prägten. Wenige wissen, dass Schletter das erste Bildermuseum in Leipzig finanziert hat und einen großen Teil seiner privaten Sammlung als Grundstock hinterließ.
Die Seidenwarenhandlung Schletter gehört zu den typischen Leipziger Handelshäusern, deren kunst- und kulturinteressierten Inhaber das bürgerliche Leben Leipzigs im 19. Jahrhundert prägten. Nachdem der Mitinhaber Johann Georg Ringelsdörffer verstorben war, bekam die Firma am 17. Jenner 1800 den Namen S.G. Schletter: Seiden-Waaren-Handlung. Der Vater Heinrich Schletters, Salomon Gotthold Schletter, war der alleinige Inhaber. Nach seinem Tode 1807 führte seine Ehefrau, Christiane Friederike Luise Schletter geb. Demiani, die Firma gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn, Johann Heinrich Lacarriere, weiter.
1819 trat Heinrich Adolf Schletter in die Firma ein und führte sie bis zu seinem gesundheitsbedingtem Ausscheiden 1849.
Heinrich Adolf Schletter starb 1853 in Paris und hinterließ der Stadt Leipzig seine gesamte Gemälde- und Skulpturensammlung, sein Grundstück in der Petersstraße sowie zahlreiche Einzelspenden mit der Auflage, innerhalb von 5 Jahren einen neuen Museumsbau zu errichten.
Carl Christian Philipp Tauchnitz war Verleger und Buchhändler in Leipzig.
Er war der Sohn des Leipziger Buchhändlers C. C. T. Tauchnitz (1761-1836). Er studierte Theologie und missionierte mehrere Jahre in London und Basel. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1836 das aus Verlag, Druckerei und Schriftgießerei bestehende väterliche Unternehmen, das er im Jahr 1865 auflöste.
C. Tauchnitz begründete sieben Stiftungen (1870 »Arbeiterwohnungsstiftung«, 1877 »Seminaristen-Stipendien-Stiftung«, 1881 »Sophienstiftung«, 1882 »Anonyme Stiftung für das städtische Krankenhaus«, »Siechenhausstiftung« und »Stiftung eines Menschenfreundes«, 1884 »Stiftung eines Menschenfreundes für das Waisenhaus«).
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